• Die Entführung  aus dem Serail

    Die Entführung aus dem Serail

    Oper von Wolfgang Amadeus Mozart Staatsoper Wien
    Opernring 1
    1010 Wien
     

    Die Entführung aus dem Serail Staatsoper Wien Do 15.Okt 2026 19:00
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    Die Entführung aus dem Serail Staatsoper Wien So 18.Okt 2026 18:30
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    Die Entführung aus dem Serail Staatsoper Wien Mi 21.Okt 2026 19:00
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    Die Entführung aus dem Serail Staatsoper Wien Fr 23.Okt 2026 19:00
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    Belmonte sucht sei­ne Ver­lob­te Konstanze, die mit Blonde und Pedrillo von See­räu­bern ent­führt und an Bassa Selim ver­kauft wur­de.

    Die­ser liebt Konstanze, doch sie bleibt Belmonte treu und nimmt dro­hen­de Qua­len in Kauf. Ein Flucht­ver­such der vier schei­tert. Als Belmonte um Gna­de bit­tet, er­kennt der Bassa in ihm den Sohn sei­nes Erz­fein­des. Statt Ra­che zu neh­men, zeigt er Grö­ße und schenkt al­len die Frei­heit – aus der Über­zeu­gung, dass Gü­te stär­ker ist als Ver­gel­tung.

    »Es ist auf­re­gend, wenn die Sän­ger den Schau­spie­lern häu­fig das Spre­chen über­las­sen. Nicht weil sie es nicht kön­nen, sie spre­chen ja auch, son­dern sie the­ma­ti­sie­ren die Fra­ge des Sin­gens und des Spre­chens mit­ein­an­der«, so Re­gis­seur Hans Neuenfels im Ge­spräch mit dem In­ten­dan­ten und Dra­ma­tur­gen Klaus Zehelein. Durch die Ver­dopp­lung al­ler Ge­sangs­rol­len mit Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­lern ge­lingt es Neuenfels, die in­ner­see­li­schen Kon­flik­te der Ak­teu­re in hoch­poe­ti­schen Spie­ge­lun­gen thea­ter­wirk­sam wer­den zu las­sen. In der Ent­füh­rung aus dem Se­rail, so der Re­gis­seur, set­ze Mozart exis­ten­zi­el­le Fra­ge­stel­lun­gen in Mu­sik; die Pro­duk­ti­on nimmt die­sen Fa­den auf und führt das Pu­bli­kum tief in die un­ter­schied­li­chen Ge­fühls­ebe­nen der Han­deln­den hin­ab. Hans Neuenfels: »Die un­ter­schied­li­chen Zu­stän­de der Wahr­neh­mung, des Emp­fin­dens, des Seins kön­nen durch die Auf­spal­tung der Fi­gu­ren gleich­zei­tig statt­fin­den. Wir sind zu­gleich meh­re­re, und das wird durch die­se In­ter­pre­ta­ti­on sicht­bar, aber nicht im Sin­ne ei­ner Schi­zo­phre­nie. Die Iden­ti­tät ist kei­ne fest­ste­hen­de Grö­ße. Auf das ‚Ich‘ ist grund­sätz­lich kein Ver­lass.«
     
    »Die Sin­fo­nie, den Chor im ers­ten ackt, und den schluß Chor wer­de ich mit tür­cki­scher Mu­sick ma­chen.«, schrieb Wolfgang Amadeus Mozart am 1. Au­gust 1781 an sei­nen Va­ter Leopold über das ge­plan­te neue Sing­spiel. Die all­ge­gen­wär­ti­ge exo­tis­ti­sche »alla turca«-Mode setz­te Mozart mu­si­ka­lisch mit Rück­griff auf Ele­men­te der be­lieb­ten »Ja­nit­scha­ren­mu­sik« um und er­wei­ter­te sein Or­ches­ter ent­spre­chend um In­stru­men­te wie die gro­ße Trom­mel und die Tri­an­gel. Das „Exo­ti­sche“ ist da­bei nur ein As­pekt die­ses gro­ßen Wurfs im Gen­re des deut­schen Sing­spiels. Be­rühmt wur­de Carl Maria von Webers Ein­schät­zung, Mozart habe mit der Ent­füh­rung be­reits den »Rei­fe­grad« sei­ner Mu­sik er­reicht. Tat­säch­lich prä­sen­tier­te sich der 26-Jäh­ri­ge mit die­ser Par­ti­tur als kom­plet­ter, da­bei ge­ni­al-sen­si­bler Kom­po­nist mit un­ver­gleich­lich fei­nem Ge­spür für Mu­sik­dra­ma­tur­gie und gro­ßer In­no­va­ti­ons­kraft. Exem­pla­risch etwa der Ein­satz der Ter­ras­sen­dy­na­mik mit ih­ren schnell um­schla­gen­den For­te-pia­no-Kon­tras­ten, die hier so stark aus­ge­prägt ist wie in kei­nem an­de­ren von Mozarts Büh­nen­wer­ken. Das Werk er­wies sich als Her­aus­for­de­rung auch für höchs­te Oh­ren: »Ge­wal­tig vie­le No­ten, lie­ber Mozart«, soll Joseph II. nach der ers­ten Vor­stel­lung ge­sagt ha­ben. Mozart aber wuss­te: »Ge­ra­de so vie­le No­ten, Euer Ma­jes­tät, als nö­tig sind.«
     
    Die so­ge­nann­te »Tür­ken­oper« war ein im 18. Jahr­hun­dert be­lieb­tes und weit ver­brei­te­tes Gen­re. Da­bei eig­ne­te man sich das Lo­kal­ko­lo­rit des Os­ma­ni­schen Reichs un­ter dem weit­läu­fi­gen Be­griff »tür­kisch« an, der je­doch sinn­bild­lich für al­les Exo­ti­sche, Frem­de und An­ders­ar­ti­ge stand. Schon im aus­ge­hen­den 17. Jahr­hun­dert fin­den sich bei­spiels­wei­se bei Jean-Baptiste Lully Wer­ke mit »tür­ki­schem« Ein­fluss (z. B. Le Bourgeois gentilhomme), die pa­ra­do­xer­wei­se in di­rek­ter Ver­bin­dung mit der Auf­klä­rung stan­den: Un­ter dem Be­griff des »Ed­len Wil­den« soll­te der ver­meint­lich na­tur­be­zo­ge­ne, exo­ti­sche (al­so frem­de) Mensch – in Ab­gren­zung zum »auf­ge­klär­ten, zi­vi­li­sier­ten Eu­ro­pä­er« – ei­ne Auf­wer­tung er­fah­ren, in­dem ihm gleich­falls cha­rak­ter­li­che Gut­her­zig­keit und Mil­de zu­ge­spro­chen wur­den. Da­mit wur­de frei­lich die Le­bens- und Ver­hal­tens­wei­se der abend­län­di­schen Kul­tur zum uni­ver­sal­gül­ti­gen Maß des Mensch­seins be­stimmt.
     

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    (Quelle: wiener-staatsoper.at)